Die blinden Zwillinge und das unglaubliche Geheimnis der neuen NannyDie Nanny flüsterte den Kindern ein altes Familiengeheimnis zu – und plötzlich öffneten sich ihre Augen zum ersten Mal dem Licht.3 min czytania.

Dzielić

Also, hör mal, ich erzähl dir die Geschichte von Heinrich Bauer, der durch die langen Flure seines Anwesens in München schritt, als wäre er in einem verlassenen Museum unterwegs. Makelloser Marmor, Kristalllüster, berühmte Gemälde an Wänden, die so leblos wirkten wie er selbst. Alles glänzte, aber nichts hatte wirkliches Leben. Sein Vermögen hatte ihn weit gebracht: Immobilien, Investitionen, Reisen, Luxus. Doch das, was er sich am sehnlichsten wünschte, konnte er nicht kaufen – das Augenlicht seiner Kinder.

Paul und Jonas, achtjährige Zwillinge, waren von Geburt an blind. Die Ärzte hatten zunächst gesagt, es sei eine vorübergehende Blindheit, etwas, das sich mit Therapien, experimentellen Operationen oder teuren Behandlungen im Ausland verbessern ließe. Heinrich hatte Hunderttausende von Euro dafür ausgegeben. Er hatte verzweifelt Verträge unterzeichnet, war mit ihnen von Land zu Land gereist – doch das Ergebnis war immer dasselbe: Hoffnung, Enttäuschung, Schweigen.

Die Villa war zu einem Ort der Stille geworden. Die Zwillinge verbrachten ihre Tage mit Privatlehrern, die ihnen Braille, Bewegungsübungen und angepasste Spiele beibrachten, aber alles war durchdrungen von einem Gefühl der Eingeschlossenheit. Die Kinder lachten nicht wie andere. Sie rannten nicht durch die Flure, staunten nicht über die Farben eines Spielzeugs oder zeigten mit dem Finger auf etwas. Dem Haus fehlte das Lachen von Kindern, die unbekümmerte Neugier – es fehlte an Farbe.

Heinrich stand vor den großen Fenstern und betrachtete den Garten, der im Morgenlicht verborgen lag. Alles war in sattem Grün getaucht, doch was ihn am meisten traf, war der grausame Kontrast: Seine Kinder würden das niemals sehen. In diesem Moment hörte er die Schritte seiner Assistentin, Gertrud, die näher kam.

„Herr Bauer“, sagte sie mit einstudiertem Respekt, „die neue Kinderbetreuerin ist da.“ Heinrich wandte kaum den Kopf. Vier waren schon in den letzten zwei Jahren gegangen. Alle waren erschöpft oder frustriert. „Sie wissen nicht, wie man mit ihnen umgeht“, hieß es. „Es ist zu schwer.“ Und er machte ihnen nicht einmal Vorwürfe.

„Lassen Sie sie herein.“

Die Tür öffnete sich, und da stand sie: Lina, eine junge Frau mit schlichtem Gesicht, dunklem Haar, das sie zu einem einfachen Zopf gebunden hatte, und Augen, die alles mit einer ungewöhnlichen Ruhe zu betrachten schienen. Sie trug kein teures Kostüm wie die anderen vor ihr – nur ein schlichtes Kleid, bequeme Schuhe und eine abgenutzte Tasche über der Schulter.

Heinrich musterte sie kühl. „Sie sind also die Empfehlung der Stiftung.“

„Ja, Herr Bauer. Lina Schäfer. Ich habe mit Kindern mit Sinnesbeeinträchtigungen gearbeitet“, antwortete sie mit ruhiger Stimme, ohne zu zögern.

Er verschränkte die Arme. „Ich warne Sie gleich: Ich erwarte keine Wunder. Meine Söhne brauchen keine Kinderspiele zur Unterhaltung. Sie brauchen Disziplin, Struktur, Ordnung. Wenn Sie ihnen falsche Hoffnungen machen wollen, können Sie jetzt gleich gehen.“

Lina hielt seinem Blick stand. „Ich gebe keine falschen Hoffnungen, Herr Bauer. Aber ich glaube, Ihre Söhne können lernen, auf andere Weise zu sehen.“

Es folgte ein unbehagliches Schweigen. Gertrud blinzelte überrascht. Niemand widersprach Heinrich Bauer normalerweise in seinem eigenen Haus. Der Millionär stieß ein kurzes, trockenes Lachen aus.

„Na gut. Versuchen Sie‘s.“

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