Der Sohn des Millionärs aß nichts, bis die arme Angestellte dieses Gericht kochte. Herr Bauer, wenn Ihr Sohn in den nächsten 24 Stunden nicht isst, müssen wir ihn ins Krankenhaus bringen und eine Sonde legen, sagte Dr. Schmidt mit ernster Miene. Seine Worte hallten in den Ohren von Maximilian Bauer wie ein Todesurteil.
Der mächtigste Mann der deutschen Hotelbranche, dessen Vermögen auf über 300 Millionen Euro geschätzt wurde, stand völlig hilflos vor der Weigerung seines 18 Monate alten Sohnes, auch nur einen Bissen zu sich zu nehmen. Durch das Glas des Kinderzimmers beobachtete Maximilian, wie der kleine Lukas verzweifelt in den Armen der Kinderkrankenschwester Anna weinte – der fünften Ernährungsberaterin, die er in den letzten zwei Monaten eingestellt hatte.
Auf dem italienischen Mahagonitisch lagen unberührt: Bio-Breis aus Frankreich, Babymenüs vom Chef des exklusivsten Restaurants in Grunewald und sogar die teuersten Milchpulver auf dem Markt. Nichts. Der Kleine weigerte sich beharrlich. Seit jenem verregneten Abend im April, als seine Frau Johanna bei einem tragischen Autounfall auf dem Stadtautobahnring ums Leben kam, war alles anders. Sechs Monate, in denen nicht nur Maximilians Augen ihren Glanz verloren hatten, sondern auch die seines kleinen Sohnes.
Lukas hatte nach und nach das Essen verweigert, bis er schließlich jeden Löffel, der sich ihm näherte, ablehnte. Herr Bauer, ich habe alles versucht, was in meiner Macht steht, sagte die Krankenschwester Anna, als sie mit blassem Gesicht aus dem Zimmer trat. Er will einfach nichts – nicht einmal die Kekse, die Kinder in seinem Alter normalerweise lieben.
Maximilian fuhr sich mit einer zitternden Hand durch das sonst stets perfekt frisierte Haar. Seine dunklen Augen, die sonst Geschäftspartner in Konferenzräumen einschüchterten, spiegelten nur noch Verzweiflung wider. Wie viel hat er abgenommen?, fragte er mit rauer Stimme. Fast zwei Kilo im letzten Monat, Herr Bauer. Sein Gewicht liegt weit unter dem Mindestwert für sein Alter. Wenn das so weitergeht… Anna brauchte den Satz nicht zu beenden.
In diesem Moment hallten teure Absätze durch den Marmorflur des Anwesens. Aus dem Schatten trat Helga Bauer-von Sternberg, Maximilians Mutter, eine 62-jährige Frau, deren Gesicht von den besten plastischen Chirurgen Münchens geformt worden war. Ihr Perlgraues Chanel-Kostüm und die echten Perlen um ihren Hals – ein Erbstück ihrer Großmutter – unterstrNachdem die einfache Haushaltshilfe Marie dem kleinen Lukas eine warme Haferbrei mit Apfelmus gekocht hatte, aß er zum ersten Mal seit Monaten wieder und lächelte sie mit Tränen in den Augen an, während Maximilian erleichtert zusammenbrach und begriff, dass nicht Reichtum oder Status, sondern Liebe und Nähe seinen Sohn gerettet hatten.



