**Teil 1: Der Teufel im Sonntagsanzug**
**Kapitel 1: Die Hitze und die Stille**
Kennst du diese Hitze, die sich wie eine schwere, feuchte Decke auf deine Brust legt? So war es an jenem Dienstag in der Pfalz. Der Asphalt flimmerte, die Luft über der Straße zitterte, als würde der Horizont verschwimmen. Die Jungs und ich, die Eisernen Engel, waren seit Sonnenaufgang unterwegs. Müde, hungrig und durstig.
Wir hielten an der “Alten Schmiede”, einer Raststätte, die nach verbranntem Speck und abgestandenem Kaffee roch. Der Typ Kneipe, wo die Kellnerin dir “Schatz” sagt, aber aussieht, als könnte sie dich mit einer Bratpfanne niederschlagen, wenn du frech wirst. Wir besetzten zwei große Ecksofas hinten, Helme auf dem Tisch, lachten laut, fluchten frei. Es war uns egal, wer zusah.
Ich ging raus für eine Zigarette, während die anderen bestellten. Ich lehnte mich an meine Maschine, eine maßgefertigte Harley, mein Stolz und Freude, und zündete mir eine an. Da sah ich ihn.
Den Jungen.
Er saß auf dem Bordstein neben einem glänzenden schwarzen SUV. Ein neuer Mercedes. Makellos. Passte nicht zu unseren rostigen Pick-ups und staubigen Maschinen. Der Motor lief, die Klimaanlage sicherlich auf Hochtouren. Doch der Junge saß draußen in der brütenden Hitze.
Er starrte mich an. Nicht wie Kinder es sonst tun – mit Staunen oder Begeisterung für die Motorräder. Er analysierte mich. Als würde er Chancen berechnen.
Ich zog an der Zigarette, blies den Rauch in die gleißende Sonne und nickte ihm zu. “Coole Schuhe, Kleiner”, knurrte ich und meinte seine nagelneu”Danke”, flüsterte er mit zitternder Stimme, während seine Augen sich vor Angst weiteten und er sich noch enger an mich drückte, als der schattenhafte Mann im Anzug langsam auf uns zukam.



