Ich hatte gerade entbunden, als meine achtjährige Tochter mit weit aufgerissenen Augen ins Krankenzimmer stürmte. Sie zog sofort die Vorhänge zu und flüsterte mir ins Ohr: “Mama… unter das Bett. Sofort.” Mein Herz schnürte sich zusammen, aber ich tat, was sie sagte. Wir lagen eng aneinandergedrängt unter dem Bett und versuchten, so leise wie möglich zu atmen. Plötzlich waren schwere Schritte im Zimmer zu hören. Als ich versuchte, einen Blick hinauszuwerfen, legte sie mir sanft die Hand über den Mund – ihre Augen voller Angst, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Und dann…
In dem Moment, als Lina leise ins Zimmer schlich, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Normalerweise sprühte sie vor Energie, doch jetzt waren ihre Augen weit aufgerissen und angespannt. Sie legte einen Finger auf die Lippen, zog die Vorhänge zu und flüsterte mit zitternder Stimme: “Mama, unter das Bett. Jetzt.”
Ich hatte erst vor zwei Stunden entbunden, mein Körper fühlte sich noch schwer an, aber ihre Dringlichkeit ließ mich sofort reagieren. Wir rutschten zusammen unter das Krankenhausbett – es war eng, kalt und roch nach Desinfektionsmittel. Linas Finger krallten sich in die Decke, ihre Knöchel wurden weiß. Ich wollte fragen, was los war, doch dann hörten wir die Schritte.
Schwer. Selbstsicher. Absichtlich.
Kein Pfleger, der zwischen den Patienten hin und her eilt – dieser Schritt war langsamer, bedrohlicher. Lina packte meine Hand und presste sie gegen ihre Brust, ihr Herz schlug wild. Als ich mich bewegen wollte, hielt sie mich zurück. Ihre Augen flehten mich an: *Beweg dich nicht.*
Die Schritte blieben direkt neben dem Bett stehen. Stille. Dann senkte sich die Matratze leicht, als ob sich jemand darauf stützte. Ich hörte Atemzüge – kontrolliert, beunruhigend. Eine Schattenfigur beugte sich vor, näherte sich unserem Versteck.
Und dann…
Linas Griff wurde fester. Mein Neugeborener, Jonas, gab ein leises Geräusch von sich, und die Schritte drehten sich zu ihm um. Ich erkannte den Gang – dieses kurze Zögern. Mein Ex-Mann, Klaus, hatte diese Angewohnheit. Bevor ich seine Schuhe sah – teures Leder, zu glänzend für einen Krankenhausbesuch – wusste ich, dass er es war.
Eine einstweilige Verfügung sollte ihn fernhalten. Doch er war hier.
Lina hatte ihn früher als ich entdeckt. Deshalb war sie hereingestürmt. Deshalb hatte sie mich versteckt.
Aus dem Flur rief eine Schwester: “Zimmer 218? Alles in Ordnung?”
Klaus erstarrte. Eine Schublade schloss sich leise, dann hastige Schritte – und die Tür fiel ins Schloss.
Lina ließ die Luft entweichen und vergrub ihr Gesicht an meiner Schulter. Ich rief sofort die Sicherheit.
Später kam Kommissar Bauer. “Wie konnte er wissen, dass Sie heute entbinden?”, fragte er.
Meine Mutter hatte etwas auf Facebook gepostet – Babykleidung, mit mir getaggt. Klaus folgte ihr noch.
In dieser Nacht schlief Lina an meiner Seite. Ich blieb wach, hielt meine Kinder fest und weinte leise – nicht aus Angst, sondern aus Erschöpfung.
Am nächsten Morgen brachte uns die Polizei nach Hause. Doch auf dem Küchentisch lag ein Zettel – *Klaus’ Handschrift.*
“Du kannst dich in Krankenhäusern verstecken, hinter der Polizei, unter Betten. Aber irgendwann läufst du allein. Dann erledigen wir das.”
Mein Zuhause – kein sicherer Ort mehr.
Kommissar Bauer blieb bei uns. “Er plant etwas”, sagte er. “Aber wir lassen nicht zu, dass er gewinnt.”
Als später der Strom ausfiel, zuckten wir zusammen. Doch diesmal waren wir nicht allein.
Ich sah Lina an und flüsterte: “Wir kämpfen zurück.”
Und irgendwo, tief in mir, wuchs etwas, das stärker war als die Angst.



