Der Mobber lachte sie aus – doch dann kam die überraschende Wende3 min czytania.

Dzielić

**Kapitel 1: Die Schatten im Flur**

Lena Müller hatte in ihrem elften Jahr an der Leibniz-Schule die Kunst der Unsichtbarkeit perfektioniert. Sie bewegte sich durch die Gänge wie ein Geist, den Kopf gesenkt, die Schultern eingezogen, ihre Anwesenheit so unauffällig, dass Lehrer manchmal vergaßen, sie auf der Liste zu markieren, obwohl sie in der ersten Reihe saß. Ihre übergroßen Hoodies, abgetragene Jeans und die Gewohnheit, in der Bibliothek allein zu essen, hatten ihr eine Rüstung der Anonymität verpasst – ein Schutzschild gegen die sozialen Hierarchien und die kleinen Grausamkeiten des Teenagerlebens.

Doch Unsichtbarkeit, so hatte Lena gelernt, war auch eine Superkraft.

Aus dem Schatten heraus sah sie alles. Sie wusste, welche Schüler hinter dem Chemiegebäude Deals machten, welche Lehrer mit ihrer Bevorzugung Grenzen überschritten und welche beliebten Kids Essstörungen oder Familienprobleme hinter ihrem perfekten Lächeln verbargen. Vor allem aber hatte sie dokumentiert, wie der Schultyrann Markus „Der Panzer“ Bauer sein Unwesen trieb.

Der Panzer war alles, was Lena nicht war – ein Meter fünfundneunzig Muskeln und Arroganz, mit einer Aura, die Erwachsene betören und Mitschüler erstarren ließ. Sein Erfolg als Fußballstar, das Geld seiner Familie und seine Drohgebärden schützten ihn vor Konsequenzen. Lehrer ignorierten seine Gemeinheiten, weil er Pokale holte. Die Schulleitung überhörte Beschwerden, weil sein Vater großzügige Spenden für den Sportverein tätigte. Und die anderen Schüler schwiegen, denn wer sich mit dem Panzer anlegte, wurde schnell sein nächstes Opfer.

Drei Jahre lang hatte Lena zugesehen, wie Markus einen Mitschüler nach dem anderen demütigte. Er drückte Fünftklässler in Spinde, klaute das Pausengeld derer, die es sich nicht leisten konnten, und verbreitete Gerüchte, die einige sogar zum Schulwechsel trieben. In ihrem Kopf führte sie eine Liste seiner Taten – und der Augen zu drückenden Lehrer.

Der Wendepunkt kam an einem Dienstagmorgen im Oktober. Als Lena früh zur Schule kam, hörte sie leise Schmerzenslaute aus der Toilette neben der Turnhalle. Drinnen fand sie Felix Weber, einen zierlichen Zehntklässler mit dicker Brille, der zusammengekauert auf dem kalten Fliesenboden saß und seinen Arm schützend an sich presste.

Markus stand über ihm, rieb sich genüsslich die Knöchel. „Nächstes Mal guckst du besser, wo du langläufst, Brillenschlange.“

„Es war ein Unfall“, flüsterte Felix, die Zähne zusammengebissen.

„Unfälle haben Konsequenzen“, grinste Markus und stupste Felix‘ verletzten Arm mit dem Fuß an. Ein erstickter Aufschrei folgte.

Lena half Felix ins Sekretariat und blieb, bis der Krankenwagen ihn ins Krankenhaus brachte. Sein Arm war an zwei Stellen gebrochen, er benötigte eine OP und monatelange Physiotherapie – eine Katastrophe für ihn, denn Geigenspielen war seine Leidenschaft und seine Hoffnung auf ein Musikstipendium.

Als Schulleiter Herr Schneider die Schüler befragte, war die offizielle Version schnell gefunden: Felix war ausgerutscht. Keiner hatte etwas gesehen. Markus war währenddessen im Fitnessraum gewesen, so sagten seine Kumpels aus. Die Sache war nach vierundzwanzig Stunden erledigt.

Doch Lena hatte alles mitbekommen. Und anders als die anderen fürchtete sie Markus Bauer nicht.

**Kapitel 2: Die Konfrontation**

Die Gelegenheit zur Gerechtigkeit kam drei Wochen später, während einer langweiligen Infoveranstaltung über Studienvorbereitung. Markus war an diesem Tag besonders übel gelaunt, weil der Trainer ihn wegen schlechter Noten vorDoch als Markus sie in die Ecke drängte, zog Lena lächelnd ihren Dienstwegweisungsausweis und sagte: “Guten Tag, Herr Bauer, ich bin Lena Müller von der Jugendermittlungseinheit – und Sie sind gerade live gefilmt worden.”

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