In der Küche der alten Nachbarin findet ein millionenschwerer Unternehmer seinen siebenjährigen Sohn dabei, wie er eine Suppe verschlingt, als wäre er seit Tagen ohne Essen gewesen. Und der Junge war wirklich ausgehungert, viel zu dünn, kaum wiederzuerkennen. “Bitte sag Papa nicht, dass ich hier war. Sonst lässt sie mich nie mehr aus meinem Zimmer raus”, flüsterte der Junge verzweifelt. Was der Vater während seiner Geschäftsreise über die Stiefmutter herausfinden würde, würde jeden in Schock versetzen.
Die schwarze Limousine glitt lautlos über das Kopfsteinpflaster von Berlin, ihre getönten Scheiben spiegelten das goldene Licht des deutschen Abendhimmels wider. Lukas Schneider strich sich über seine italienische Krawatte, während er die letzten Berichte seines Technologieunternehmens auf dem Tablet durchging. Drei Wochen in Singapur, die wichtigsten Verträge seiner Karriere abgeschlossen – es hatte sich gelohnt, doch jetzt sehnte er sich nur noch danach, nach Hause zu kommen und seinen siebenjährigen Sohn Max in die Arme zu schließen.
“Herr Schneider, wir sind in fünf Minuten da”, murmelte Thomas, sein vertrauter Fahrer, der seit Jahren für die Familie arbeitete. “Danke, Thomas. Hast du in meiner Abwesenheit etwas von zu Hause gehört?”, fragte Lukas, während er das Tablet in seine Ledermappe schob. Thomas zögerte einen Moment, sein Blick traf Lukas’ im Rückspiegel. “Alles ruhig, Chef. Frau Isabella war mit ihren Wohltätigkeitsveranstaltungen beschäftigt.” Etwas in Thomas’ Tonfall ließ Lukas die Stirn runzeln. Doch bevor er nachhaken konnte, hielt die Limousine vor der imposanten Villa im Grunewald.
Die sandroten Mauern leuchteten im Licht der Gartenlaternen, und das sanfte Plätschern des Springbrunnens erfüllte die Luft. Lukas atmete tief durch und spürte den vertrauten Duft der Apfelbäume entlang des Eingangs. “Max, ist er noch wach?”, fragte er und warf einen Blick auf seine Rolex. “Es ist erst sieben, Chef, Kinder in seinem Alter…” Thomas brach den Satz ab. Seine Augen hatten sich auf etwas im Nachbarhaus fixiert, der Residenz der Familien Müller, einer freundlichen Kaufmannsfamilie.
Lukas folgte Thomas’ Blick, und es verschlug ihm den Atem. Dort, auf der beleuchteten Veranda der Nachbarn, saß Max. Sein kleiner Sohn, mit zerzaustem braunem Haar und ebenso braunen Augen, die genau wie seine eigenen aussahen, hielt eine dampfende Schüssel in den Händen. Doch nicht der Ort, sondern Max’ Zustand ließ Lukas erstarren. Sein Leibchen hing viel zu locker um seinen schmalen Körper, die Jeans sackten an ihm herunter, und er löffelte die Suppe mit einer verzweifelten Hast, die Lukas den Magen zusammenzog.
“Mein Gott”, flüsterte Lukas und stieg aus der Limousine, bevor Thomas die Tür öffnen konnte. Frau Müller, eine freundliche, rundliche Dame mit grauem Dutt, blickte auf, als sie seine hastigen Schritte hörte. Ihr Ausdruck wechselte von mütterlicher Zuneigung zu offener Sorge. “Herr Schneider! Wir wussten nicht, dass Sie schon zurück sind.”
Max hob den Kopf bei der Stimme seines Vaters. Seine Augen, die sonst vor Lebensfreude sprühten, zeigten nun eine Mischung aus Erleichterung und etwas, das Lukas nicht gleich einordnen konnte. Angst? Schuld?
“Papa”, flüsterte Max und versuchte, die Schüssel hinter seinem Rücken zu verstecken. Lukas kniete sich vor seinen Sohn und nahm dessen Gesicht in seine zitternden Hände. Max’ Haut fühlLukas versprach in diesem Moment, alles zu tun, um seinen Sohn zu beschützen, und die Wahrheit über Isabellas Grausamkeit würde bald ans Licht kommen.



